Freitag, 1. Januar 2021

 

Märchen 97 der Jesus

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Der Jesus

 

Kurz nachdem er an Weihnachten geboren war, - dies erzählte ihm später seine Mutter – wurde er sofort in die Kirche gebracht und in die Krippe gelegt, wo er den neugeborenen Jesus verkörperte. Man hatte ein ruhiges Baby gesucht, das die Messe nicht durch Schreien stören würde und wunderte sich, mit welcher Geduld er alles über sich ergehen ließ. Fast himmlisch anmutig wirkte sein Blick, mit dem er auf die anderen Teilnehmer der Festspiele, die die Hirten und Könige darstellten, herabsah. Eine große Zukunft wurde ihm vorausgesagt. Woraus diese eines einfachen Bauernsohns bestehen sollte, wusste keiner genauer zu bestimmen.

Als er dann heranwuchs, meldete er sich immer, wenn man in der Kirche oder auf dem Marktplatz eine Szene aus dem Neuen Testament aufführen ließ. Jesus und die Gelehrten, später in der Synagoge, als er die Händler von dort vertrieben haben soll. Er gefiel sich in dieser Rolle und hörte gern, wenn Leute, die ihn nicht bei seinem richtigen Namen kannten, ihn den Jesus nannten. Er versuchte, sogar ein ähnliches Leben zu führen. Nur mit den Jüngern und den Wundern wollte es nicht so recht klappen.

Jeden Tag traf er beim Pfarrer ein und ließ sich ein paar neue Einzelheiten aus dem Leben des Messias erzählen. Der Geistliche war höchst erfreut, endlich einen Gläubigen zu haben, der nicht nur Angst vor Gott hatte, sondern wirklich gottesfürchtig war.

„Jesus führte die Leute in die Wüste und hieß sie auf dem Gras niedersitzen.“ Er wusste nicht genau, wie eine Wüste tatsächlich aussah, aber wenn es dort Gras gab, musste es eigentlich so etwas wie eine Wiese gewesen sein. Eine größere Menge Sand hatte er nur beim Kapellenbau gesehen und mehr konnte er sich nicht vorstellen. Aber niemand wollte ihm auf die Wiese folgen.

„Jesus lief auf dem Wasser.“ Das musste er erlernen, dachte er bei sich. Damit würde er alle überzeugen. Er ging an den Fluss, um es auszuprobieren. Wenn man wirklich glaubt, kann man Berge versetzen. Aber so sehr er es auch versuchte, sich wie Jesus zu geben, zu handeln und zu leben, immer wieder versank er in dem Nass.

Und dann kamen die jährlichen Passionsspiele. Jemand wurde gesucht, der die Rolle des Jesus übernehmen würde. Er meldete sich sofort und wurde sogleich angenommen. Vor allem, weil es keine Mitbewerber gab. Man musste mit ihm auch nicht sehr lange proben, weil er das Leben von Jesus ziemlich gut kannte.

Als er auf der Bühne stand, breitete er seine Hände aus, richtete seinen Blick nach oben und sah aus, wie einer der Heiligen auf den Bildern in der Kirche. Jede Szene wurde gespielt, aber die Wunder mit dem Fische- und Brote-Teilen funktionierten auch jetzt nicht. Zum Glück gab es kein wirkliches Wasser, auf dem er hätte laufen müssen, dies war nur ein blauer Streifen unten auf der Leinwand. Aber er genoss alle Momente, man folgte seinen Worten und Bewegungen, er hatte endlich Jünger, denen er das letzte Abendmahl darbieten konnte.

Doch wunderte es ihn, dass der Schauspieler, der einen römischen Soldaten darstellte, sich das Ohr nicht wollte abhauen lassen. Als er gebunden wurde, um vor Pontius Pilatus geführt zu werden, flüsterte er dem jüdischen Rabi ins Ohr, die Fesseln fester zu ziehen, weil er wirklich Jesus sei. Die Peitschenriemen schnitten tief in seine Haut, Blut floss, aber er wusste, dass er die Bewunderung der ganzen Stadtgemeinschaft hinter sich hatte. (Für diese Darstellung hätte er siebenhundert Jahre später sicher einen Oscar bekommen.)

Der Stiel des Kreuzes war ein bisschen kürzer, weil die Bühne höher stand und er dann sowieso fast über den Köpfen der Zuschauer hing. Er musste es auch nicht so weit tragen, nur ein paar Mal die wenigen Meter über die Bühne. Als man ihm nach eigenem Wunsch die Nägel durch die Hände und Füße schlug, pisste und schiss er sich vor Schmerz in seinen Lendenschurz, bevor er in Ohnmacht fiel. Als er wieder zu sich kam, ließ sich aus der Menge ein leises Raunen hören. Das passierte eigentlich jedes Jahr und jeder dort unten beneidete ihn an diesem Tag.

Drei Tage lang hing er nun auf dem Marktplatz, die meisten Leute waren nach Hause gegangen, um zu essen, trinken und schlafen. Aber zum Gebet kamen sie alle über den Tag verteilt. Seine Mutter saß die ganze Zeit unten am Kreuz. Sie wusste nicht, ob sie weinen oder sich freuen sollte: Dort oben hing ihr Sohn. Aber er spielte nicht so gut wie Jesus, er starb ein bisschen früher. Als man eine Lanze in seine Seite stieß, merkte er schon lange nichts mehr.

Dann wurde er herabgenommen und in eine Höhle in der Nähe der Stadt gelegt. Man wartete auf seine Auferstehung, doch die wollte nicht kommen. Seine Mutter musste höhnische Blicke und Bemerkungen ertragen. Ihr Sohn war vielleicht doch kein Jesus?

 

 

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tale 97 the Jesus

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The Jesus

 

Shortly after he was born on Christmas - his mother later told him about it - he was immediately taken to church and placed in the manger, where he embodied the new-born Jesus. They had been looking for a quiet baby who would not disturb church mass with screams and crying and were amazed at the patience with which he endured everything. His gaze as he looked down at the other participants of the festival, who represented the shepherds and kings, was almost heavenly graceful. A great future was predicted for him. No one knew exactly what this would consist of for a simple farmer’s son.

Then, as he grew up, he called in whenever a scene from the New Testament was performed in church or in the marketplace - Jesus and the scholars, later in the synagogue, when he is said to have driven the traders out of there. He liked this role and liked to hear people who didn't know his real name call him Jesus. He even tried to live a similar life. However, it just didn't work out well with the disciples and the miracles.

Every day he came to the priest's house and got a few new details about the life of the Messiah. The clergyman was delighted to finally have a believer who was not only afraid of God, but genuinely God-fearing.

“Jesus led people into the desert and made them sit down on the grass.” He wasn't sure what a desert actually looked like, but if there was grass, it must have been something like a meadow. He had only seen a large amount of sand when the chapel was being built and he couldn't imagine more. But nobody wanted to follow him into the meadow.

“Jesus walked on the water.” He had to learn that, he thought to himself. That would convince everyone. He went to the river to try it out. If you really believe, you can move mountains. But no matter how hard he tried to act like Jesus, to act and live, he kept sinking into the water.

And then, the annual Passion Play was going to be celebrated. Someone was wanted to take on the role of Jesus. He called in at once and was accepted immediately. Mainly because there were no competitors. They didn't have to rehearse with him for very long either because he knew the life of Jesus pretty well.

When he got on the stage, he spread his hands, looked up, and looked like one of the saints in the pictures in the church. Every act was played out, but the fish-and-bread-sharing miracles didn't work now either. Luckily, there wasn't any real water to walk on, it was just a blue stripe on the bottom of the canvas. However, he enjoyed every moment, everybody followed his words and movements, he finally had disciples to whom he could offer the last supper.

But he was surprised that the actor, who played a Roman soldier, did not want his ear cut off. When he was tied to be brought before Pontius Pilate, he whispered in the ear of the Jewish Rabi to tighten the chains because he really was Jesus. The lash straps cut deep into his skin, blood flowed, but he knew he had the admiration of the entire city community behind him. (He would certainly have received an Oscar for this portrayal seven hundred years later.)

The stem of the cross was a bit shorter because the stage was higher and he was hanging almost over the heads of the audience anyway. He didn't have to carry cross that far either, just a few meters across the stage. When the nails were stuck through his hands and feet at his own request, he pissed and shit in his loincloth in pain before he fainted. When he awoke again, there was a slight murmur from the crowd. It actually happened every year and everyone down there envied him that day.

For three days, he hung in the market square, most of the people had gone home to eat, drink and sleep. But they all came to prayer throughout the day. His mother sat at the foot of the cross the whole time. She didn't know whether to cry or be happy: her son was hanging up there. But he didn't play as well as Jesus, he died a little earlier. When they stuck a lance in his side, he hadn't noticed anything for a long time.

Then he was taken down and placed in a cave near the city. They waited for his resurrection, but it did not want to come. His mother had to endure scornful looks and remarks. Maybe her son wasn't Jesus after all?

 

 

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Montag, 28. Dezember 2020

 

Märchen 96 Kindererziehung

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Kindererziehung

 

Mit gutem Beispiel vorangehen! Auf dem Platz vor einer Kirche am Sonntag warten einige gutangezogene Leute mit ihren Kindern auf den Beginn der Messe. Eine Mutter hatte gerade ihr Baby aus dem Kinderwagen genommen und versuchte, es in ihren wiegenden Armen zu beruhigen. Die vierjährige Tochter schob nun das leere Gefährt vor sich her, in Richtung Vater. Dieser bemerkte die Herankommende, nahm sein großes Halstuch und imitierte einen Stierkämpfer. Mit Freuden spielten sie einige Runden. Die Mutter rief den Vater, er schaute zu ihr hin und der leichte Kinderwagen fuhr in ihn hinein. Das Mädchen und der Vater lachten. Der dreijährige Sohn hatte die Szene beobachtet und wollte teilnehmen, deshalb fuhr er mit seinem Laufrad bei voller Geschwindigkeit in das Mädchen hinein und lachte.

 

Der Vater sitzt mit einer wohlverdienten Flasche Bier vor dem Fernseher, um das Fußballspiel anzusehen, die Mutter bügelt das letzte Hemd, bevor sie sich zu ihm setzt. Manchmal murmelt der Vater etwas über das Spiel in seinen nichtvorhandenen Bart, aber sonst lässt sich außer dem leise gestellten Fernseher nichts hören. Die Kinder sind bereits im Bett. Die Mutter: „Unsere Kinder schlafen, wie die Engel!“ Wenn die Kinder so weitermachen, werden sie genauso inaktiv, wie ihr engelhafter Vater.

 

Ein kleines Kind im Kinderwagen schreit. Das ist seine Ausdrucksform. Es hat irgendetwas gesehen und will es haben. Wenn die Eltern es ihm nicht geben wollen, sagen sie: „Es ist ein bisschen quengelig, es ist bestimmt müde!“ Sie bringen es zu Bett. Schlafen wird hier zu einer Strafe, obwohl es doch eigentlich eine Freude sein sollte, sich erholen zu können.

 

Er war einmal ein ziemlich guter Sportler, der verschiedene, kleinere Wettbewerbe gewonnen hatte. Aber als er den Sprung zum Berufssportler nicht schaffte, hörte er mit dem Training auf und wurde selbst Trainer. Heute steht er, wie auch sein alter Trainer, mit dickem Bauch am Rand und schreit den Kindern zu, was sie machen sollen. Die Kinder könnten denken: „Werden wir auch einmal so aussehen, wenn wir so weitertrainieren?“

 

Ein Kind fragt seinen Vater: „Papi! Warum regnet es?“ – „Mein lieber Sohn! Wie lang ist die längste Leiter in Großvaters Obstgarten?“ – „Ungefähr zehn Mal so hoch wie ich.“ – „Und wie hoch ist der Himmel?“ – „Vielleicht hundert Mal.“ – „Nein, tausend Mal!“ – „Oh, so hoch ist der Himmel!“ – „Siehst du! Und deshalb müssen die Regentropfen herunterspringen, wenn sie auf den Boden kommen wollen.“ – „Papi! Stört es dich, wenn ich soviel frage?“ – „Nein, mein Sohn! Du sollst doch etwas lernen! Und wenn du fleißig lernst, wirst du so klug wie ich.“

 

Ein Kind kaut Fingernägel. Wenn es klein ist, stört es das nicht, aber wenn es mit dreizehn oder vierzehn anfängt, sich für Mädchen zu interessieren, kaut es seine Nägel nur, wenn es allein ist. Ein Erwachsener schlägt dem Jugendlichen vor, sich vorzustellen, dass ihn immer jemand beobachtet. Zuerst bastelt der junge Mensch ein paar Kamera-Attrappen aus Papier und stellt sie in seinem Zimmer auf, um sich an den Gedanken zu gewöhnen. Und nach kurzer Zeit wachsen seine Fingernägel, so dass er sie schneiden muss. Aber die Kameras hat er jetzt im Kopf und fühlt sich überall beobachtet.

 

 

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tale 96 raising children

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raising children

 

Educate by example! In the square in front of a church on Sunday, some well-dressed people with their children are waiting for the start of church service. A mother had just taken her baby out of the stroller and was trying to calm it down in her swaying arms. The four-year-old daughter now pushed the empty vehicle in front of her, in the direction of her father. He noticed the approaching one, took his large scarf and imitated a bullfighter. They played a few rounds with joy. The mother called the father, he looked at her and the light pram drove into him. The girl and the father laughed. The three-year-old son had seen the scene and wanted to take part, so he rode his balance bike into the girl at full speed and laughed.

 

The father is sitting in front of the television with a well-deserved bottle of beer to watch the football game, the mother ironing the last shirt before she sits down with him. Sometimes the father mumbles something about the game in his non-existent beard, but otherwise nothing can be heard except the TV turned down. The children are already in bed. The mother: “Our children sleep like angels!” If the children carry on like this, they will become just as inactive as their angelic father is.

 

A small child in a stroller is screaming. That is its form of expression. It saw something and wants it. If the parents don't want to give it to him, they say, “the baby's a bit whimpering, I'm sure it's tired!” They put it to bed. Sleep becomes a punishment here, even though it should be a pleasure to be able to relax.

 

He was a pretty good athlete once, won various smaller competitions. However, when he failed to make the leap to becoming a professional athlete, he stopped training and became a coach himself. Today, like his old trainer, he stands with a fat belly on the edge and yells at the children what to do. The children might think: "Will we look the same one day if we continue training like this?"

 

A child asks his father: “Daddy! Why is it raining? ”-“ My dear son! How long is the longest ladder in grandfather's orchard? ” “About ten times as tall as me.” “And how high is the sky?” “Maybe a hundred times.” “No, a thousand times!” “Oh, the sky is so high!” “You see! And that's why the raindrops have to jump down if they want to get to the ground.” “Daddy! Do you mind if I ask so many questions?” “No, my son! You have to learn something! And if you study hard, you will become as smart as me."

 

A child bites down its fingernails. It doesn't matter as long as it’s little, but when it starts getting interested in girls at the age of thirteen or fourteen it only bites its nails when it’s alone. An adult suggests to the young person to imagine that someone is always watching it. First, the young person makes a couple of dummy cameras out of paper and sets them up in his room to get used to the idea. And after a short time his fingernails grow so that he has to cut them. But he now has the cameras in his head and feels that he is being watched everywhere.

 

 

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Samstag, 26. Dezember 2020

 

Märchen 95 unverständlich

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unverständlich

 

Eine Familie mit zwei Kindern, der Vater ein normaler, tüchtiger Handwerker, die Mutter eine Kassiererin in einem Kaufhaus, die Töchter lernten mit durchschnittlichem Ergebnis in der Mittelschule. Die Familie mietet eine kleine Wohnung am Rande der Stadt, in der jede Tochter ihr kleines aber eigenes Zimmer hatte. Mit neunzehn und zwanzig zogen die Kinder aus, um entweder mit einem Partner zusammen zu sein, oder allein ein eigenes Leben aufzubauen.

Der Vater kaufte einen Wohnwagen, um seinen Jugendtraum zu verwirklichen, mit seiner Frau ganz Europa zu durchreisen. Sie waren jetzt fünfzig, also im besten Alter, verbrachten ihren Sommerurlaub in ihrem fahrenden Haus in Skandinavien und den Winterurlaub in Griechenland, Süditalien oder Südspanien. Das hatten sie drei Jahre lang gemacht, als die Frau an ihrem Arbeitsplatz einen Infarkt erlitt.

Jeden Tag war er im Krankenhaus, brachte ihr Blumen, wie in der ersten Zeit ihrer Beziehung, las ihr etwas vor, unterhielt sie oder erzählte ihr über die Pläne für die nächste Reise, die er schmiedete. Die Ärzte machten ihn darauf aufmerksam, dass seine Frau ständiger Pflege und Ruhe bedarf. Hieß dies, dass sie nicht mehr reisen konnten? Den ersten Winterurlaub verbrachten sie zu Hause. An Weihnachten kamen die Töchter und lobten den Vater, weil sie nicht jeden Tag kommen könnten, um sich um die Mutter zu kümmern, vor allem weil sie ein eigenes Leben hatten. Im Sommer fuhren sie mit dem Wohnwagen an die Ostsee, weil er das fahrende Haus so umgebaut hatte, dass es dafür geeignet war. Einmal ging es ihr besser, ein andermal schlechter. Manchmal lachte sie auch, besonders wenn er Witze machte. Aber alles in allem war das Reisen für sie jetzt eine Qual.

Und dann bekam sie ihren zweiten Infarkt, genau bei Sonnenuntergang, als sie über eine ein bisschen holprige Strecke fahren mussten, um einen schönen Standplatz für das Lager zu finden. Er rief die Rettungswacht. Sie kamen wegen der Straßenverhältnisse mit dem Hubschrauber. Jetzt wusste er, was er vorher schon geahnt hatte, aber sich nicht eingestehen wollte. Obwohl seine Frau sehr krank war, wollt sie leben und als sie im Krankenhaus erwachte und ihn neben sich sah, war sie glücklich und traurig zugleich. Sie wusste, dass sie sterben würde, wenn sie weiterreisten und dass sie ihn umbringen würde, wenn sie von ihm verlangte, zu Hause zu bleiben. Als sie jung waren und mit dem Motorrad einen Ausflug machten, hatte er zu ihr gesagt, dass er nicht in der Wohnung und noch weniger im Bett sterben wolle. Nie saß er vor dem Fernseher, umging Bücher von weitem, war sportlich und verbrachte den größten Teil seiner Zeit an der frischen Luft, schlief selbst im Sommer lieber im Garten, als im Haus.

Als sie aus dem Krankenhaus entlassen wurde und er sie nach Hause brachte, war sie nicht glücklich. Fast dreißig Jahre hatten sie zusammen verbracht, er war ihr immer treu gewesen, liebte sie, aber sie sah, wie er in ein paar Wochen wie eine Blume ohne Wasser verwelkte. Und eines Abends, er kam gerade aus der Garage, weil er dort am Wohnwagen etwas repariert hatte, sagte sie zu ihm: „Ich kann nicht mehr mit ansehen, wie du an meiner Krankheit mehr leidest, als ich selbst! Wahrscheinlich ist es das Beste, wenn du aus meinem Leben verschwindest und wir uns beide die Möglichkeit geben, mit jemandem anders glücklich zu werden. Oder vielleicht brauchen wir auch niemanden, um zufrieden und ausgeglichen zu leben. Ich kann nicht aus deinem Leben gehen, weil ich mich nicht mehr bewegen kann, und sterben will ich nicht. Ich lege die Bürde der Entscheidung auf deine Schultern.

Danach sprachen sie tagelang nicht miteinander. Eines Morgens war er dann verschwunden. Niemand wusste, wohin er gegangen war, oder was er machte. Er hatte den Kontakt zu allen Familienmitgliedern, Verwandten, Freunden abgebrochen.

„Verstanden? Ja, verstanden hätte ihn sowieso keiner! Und er wusste, dass es keinen Sinn hätte, zu versuchen, es ihnen zu erklären.“

 

 

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tale 95 incomprehensible

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incomprehensible

 

A family with two children, the father a normal, skilful craftsman, the mother a cashier in a department store, the daughters studied with average results in middle school. The family rented a small apartment on the outskirts of the city, in which each daughter had her own small room. At nineteen and twenty, the children moved out either to be with a partner or to start their own lives on their own.

The father bought a trailer to realize his childhood dream of traveling all over Europe with his wife. They were now fifty, in their heyday, spent their summer holidays in their caravan in Scandinavia and their winter holidays in Greece, southern Italy or southern Spain. They had done this for three years when the woman had a heart attack at work.

Every day, he was in the hospital, bringing her flowers, as in the early days of their relationship, reading to her, entertaining her, or telling her about the plans he was making for the next trip. The doctors warned him that his wife needed constant care and rest. Did that mean they couldn't travel anymore? They spent their first winter vacation at home. At Christmas the daughters came and praised the father because they couldn't come every day to take care of their mother, especially because they had a life of their own. In the summer, they drove the caravan to the Baltic Sea because he had rebuilt the moving house so that it was suitable for it. One time she felt well, another time, it was worse. Sometimes she laughed too, especially when he was joking. But overall, traveling was now an agony for her.

And then she had her second heart attack, exactly at sunset, when they had to drive over a bit of a bumpy stretch to find a nice place to stand for the camp. He called the ambulance. They came by helicopter because of the road conditions. Now he knew what he had suspected before but didn't want to admit to himself. Although his wife was very sick, she wanted to live and when she woke up in the hospital and saw him next to her, she was happy and sad at the same time. She knew that if they left, she would die and that she would kill him if she asked him to stay home. When they were young, on a motorcycle trip, he had told her that he didn't want to die in the apartment and even less in bed. He never sat in front of the television, avoided books from afar, did sports of all kind and spent most of his time in the fresh air, even in summer preferred to sleep in the garden than in the house.

When she was released from the hospital and he took her home, she was not happy. They had spent almost thirty years together, he had always been devoted to her, loved her, but she saw him wither in a few weeks like a flower without water. And one evening, when he was just coming out of the garage because he was repairing something on the trailer, she said to him: “I can no longer watch you suffer more from my illness than I do! It's probably best if you get out of my life and we both give each other the opportunity to be happy with someone else. Or maybe we don't need anyone to live contentedly and balanced. I can't go out of your life because I can't move anymore and I don't want to die. I put the burden of the decision on your shoulders.

After that, they did not speak to each other for days. Then one morning he was gone. Nobody knew where he had gone or what he was doing. He had broken off contact with all family members, relatives and friends. "Understand? So, nobody would have understood him anyway! And he knew there was no point trying to explain it to anybody."

 

 

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