Dienstag, 19. Januar 2021

 

Märchen 99 Die große Enttäuschung

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Die große Enttäuschung

 

Es gab kein Kino in der Stadt, kein Platten- oder Büchergeschäft, keine Jeans oder Turnschuhe in den Kleidergeschäften. Aber da war ein Spielwarenladen. Die Regale des halbdunklen, fast Lagerraumes waren mit großen Schachteln und Kartons gefüllt, auf denen der Inhalt in Darstellungen einer fantastischen Umgebung eingefügt war. Für Mädchen verschiedenste Barbiepuppen auf Partys oder vor dem unendlichen Kleiderschrank, auf Pferden reitend oder in der Kutsche im Hochzeitskleid. Kinderwägen und Babypuppen. Für Jungs Batman, Supermann, ein Bergsteiger, Rallyefahrer auf der Safari mit wilden Tieren, ein Astronaut auf dem Mars.

Die Verkäuferin in dem Laden kannte mich bereits und war nicht gerade erfreut, mich zu sehen, weil ich nie genug Geld hatte, etwas zu erstehen. Heute denke ich, es muss für sie ziemlich deprimierend gewesen sein, dass auch seltene Gäste meistens nichts mitnahmen. Das Geschäft war das Überbleibsel einer Zeit, in der die Leute noch kein Auto hatten, und sich alles im näheren Umkreis besorgten.

Einmal pro Woche also fand ich mich dort ein, bis mir irgendwann eine große Schachtel mit einem Drachenflieger auffiel. Ich zeigte ihr meine offene Hand mit ein paar Geldstücken, worüber sie mir nur höhnisch ins Gesicht lachte und wie eine alte Hexe sagte, dass ich dafür ungefähr hundert Mal so viel brauche.

Dieses Gesicht mit Zentimeter dicker Schminkschicht bedeckt, teils Goldzähne und teils Gebiss, das ihr fast aus dem Mund fiel, wenn sie lachte, entweder stark gefärbte Haare oder gar eine Perücke.

Wahrscheinlich war die Bodenfläche hinter dem nicht so breiten Pult noch erhöht. Meine Stirn reichte gerade bis zur Kante, deshalb konnte ich nicht sehen, was darauf passierte.

Sie beugte sich weit darüber, auf diese Weise erschien ihr Kopf fast genau über meinem. Erschrocken schluckte ich. Sie legte ihre Hand auf meinen Kopf, drehte ihn um hundertachtzig Grad, so dass sich auch mein ganzer Leib mitbewegen musste, wollte er nicht die Verbindung zu seinem Haupt verlieren. Jetzt stand ich mit dem Rücken zum Pult und meine Augen sahen die Tür. Meine Beine fingen die Wirkung eines Schubs von hinten auf, meine Hände verhinderten, dass meine Nase sich an der Glastür plattdrückte.

Lange Zeit ging ich jetzt nicht in das Geschäft. Sie war so freundlich gewesen, die besagte Schachtel in das Fenster zu stellen. Oder war es Sadismus? Der Einmachglaseffekt? Du kannst das Apfelkompott in dem Glas sehen aber kannst es nicht öffnen und den Inhalt genießen. Es lächelt dich nur an!

Der Anblick der Schachtel, oder besser die darauf abgebildete Figur, wie sie so über die Landschaft dahinflog hatte auf mich eine magische Wirkung. Aber mein Geburtstag war gerade vergangen und Weihnachten noch weit. Wie es nehmen und nicht stehlen? Ich fragte alle meine erwachsenen Bekannten und Verwandten. Einige gaben mir auch ein bisschen Geld. Daraus wurde aber nicht hundert Mal so viel. Monatelang lief ich zwischen Schaufenster und möglichen Geldgebern hin und her. Fast endlos schien mir die Zeit, in der die Geldsumme nur sehr zähflüssig wachsen wollte.

Umso näher ich dem Ziel kam, desto ungeduldiger wurde ich. Und dann endlich, bei einem Sonntagsbesuch eines Verwandten war der letzte Rest zusammengekommen. Fast fliegend huschte ich durch die verlassenen Straßen der Kleinstadt. Das Geschäft war natürlich geschlossen. Noch ein Tag! Was für eine Qual! Schlaflos verging die Nacht. Ohne Frühstück wurde der Weg zum Geschäft zurückgelegt.

Es öffnete aber erst um zehn Uhr. Viele, lange Stunden saß ich nun vor der Tür. Weder Regen noch Wind sollten mich vertreiben. Als die Tür geöffnet wurde war ich völlig durchweicht. Frierend und mit zitternden Händen legte ich das Geld auf die Theke. Sie zählte es. Dies dauerte lange, weil darunter sehr viel Kleingeld war. „Na! Haben wir es doch zusammengespart! Das hat aber lange gedauert. Da waren schon ein paar hier, die sich dafür interessierten.“ Ein Schreck fuhr mir durch die Glieder. War es nur noch die Schachtel ohne Inhalt, die da im Schaufenster stand? Schließlich bequemte sie sich doch. Auch von hinten sah sie wie eine Hexe aus, nur der schwarze Rabe fehlte auf ihrer Schulter. Mit einem höhnischen Lächeln kam sie zurück, drückte mir das Paket in die Arme, machte die Tür auf und ich verschwand auf der Straße. Es spielte für mich damals (und spielt für mich auch heute noch) keine Rolle, dass ich keine Rechnung bekam.

Zu Hause angekommen war ich froh, niemanden anzutreffen und begab mich sofort auf mein Zimmer. Nicht einmal die nasse Jacke zog ich aus und begann, den Inhalt der Schachtel zu untersuchen. Rasch war der Drachen zusammengebaut und Männlein mit Sturzhelm wie auf dem Bild in Position gebracht. Ich nahm den ganzen Drachen wie einen Papierflieger in die eine Hand, stellte mich in die Ecke des Zimmers und ließ ihn fliegen. Aber so oft ich es auch versuchte, er fiel wie ein Stein zu Boden. Aus dem Fenster im ersten Stock war das Ergebnis nicht besser. Erschöpft und mit überhitzter Stirn legte ich mich ins Bett.

 

 

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tale 99 the big disappointment

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The big disappointment

 

There was no movie theatre in town, no record or book store, no jeans or sneakers in the clothing stores. However, there was a toy store. The shelves of the semi-dark, almost storage room were filled with large boxes on which the contents were depicted in a fantastic environment. For girls a wide variety of Barbie dolls at parties or in front of the infinite wardrobe, riding horses or in the carriage in wedding dress. Strollers and baby dolls. For boys Batman, Superman, a mountaineer, rally driver on a safari with wild animals, an astronaut on Mars.

The saleswoman at the store had already known me for a long time and wasn't exactly happy to see me because I never had enough money to buy anything. Today I think it must have been quite depressing for her that even rare guests usually didn't take anything away. The business was a holdover from a time when people didn't have a car and bought everything in the local area.

So I entered the shop there once a week until at some point I noticed a large box with a hang-glider. I showed her my open hand with a few coins, about which she just laughed scornfully in my face and like an old witch said that it would cost me about a hundred times as much.

This face was covered with an inch thick layer of make-up, partly gold teeth and partly dentures that almost fell out of her mouth when she laughed, either heavily coloured hair or even a wig.

The floor space behind the not-so-wide desk was probably even higher. My forehead came only to the edge, so I couldn't see what was happening behind it it.

She leaned over it, so her head appeared almost exactly above mine. I swallowed, startled. She put her hand on my head, turned it a hundred and eighty degrees so that my whole body had to move with it, if it didn't want to lose the connection to its head. Now I had my back to the desk and my eyes saw the door. My legs caught the effect of a push from behind, my hands prevented my nose from pressing flat against the glass door.

I haven't been to the store for a long time. She had been kind enough to put the said box back in the window. Or was it sadism? The mason jar effect? You can see the apple compote in the jar, but you cannot open it and enjoy the contents. It just smiles at you!

The sight of the box, or rather the figure depicted on it, as it flew over the landscape, had a magical effect on me. However, my birthday had just passed and Christmas was still a long way off. How to take it and not steal it? I asked all of my adult acquaintances and relatives. Some also gave me a little bit of money. But that didn't turn out to be a hundred times as much. For months, I walked back and forth between the shop window and possible donors. The time in which the sum of money only wanted to grow very slowly seemed almost endless to me.

The closer I got to my goal, the more impatient I became. And then finally, on a Sunday visit from a relative, the last remnants were gathered. I was almost flying through the deserted streets of the small town. The shop was of course closed. One more day! What agony! The night passed sleeplessly. The walk to the shop was made without breakfast.

However, it didn't open until ten o'clock. I sat in front of the door for many long hours. Neither rain nor wind could drive me away. When the door was opened, I was completely soaked. Freezing and with trembling hands, I put the money on the counter. She counted it. This took a long time because there was a lot of change as well. "Let’s see! We saved and collected the money! That took a long time. There have already been a few kids here who were interested in it.” A shock went through my limbs. Was it just the empty box that was in the shop window? Finally, she made herself comfortable. She also looked like a witch from behind, only the black raven was missing on her shoulder. She came back with a sneering smile, pushed the package into my arms, opened the door and I disappeared into the street. It didn't matter to me then (and still does not matter to me today) that I didn't get an invoice.

When I got home, I was glad to find no one in the house and went straight to my room. I didn't even take off my wet jacket and began to examine the contents of the box. The hang-glider was quickly constructed and the little man with a crash helmet positioned as in the picture. I took the whole hang-glider in one hand like a paper airplane, stood in the corner of the room and let it fly. However, as often as I tried, it fell to the ground like a stone. The result was no better from the window on the first floor. Exhausted and with elevated temperature, I went to bed.

 

 

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Dienstag, 5. Januar 2021

 

Märchen 98 Sicherheit

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Sicherheit

 

Er kam gerade aus der Fabrik, acht Stunden monotone Arbeit neben der Maschine, drei Schichten, einmal von sechs bis vierzehn Uhr, dann von vierzehn bis zweiundzwanzig Uhr und ein andermal von zweiundzwanzig bis sechs Uhr.

Aber es lohnte sich, die Bank bewilligte ihm endlich den Kredit für sein Traumauto. Kein Porsche, weil natürlich auch seine Frau und Kinder darin Platz haben mussten. Trotzdem machten sie lange Gesichter, als sie erfuhren, dass es in den nächsten sechs Jahren keinen Sommerurlaub am See mehr geben sollte, weil sonst die Zahlungsraten nicht beglichen werden konnten.

Auf dem Parkplatz des eingezäunten Fabrikgeländes parkte sein Auto, sogar mit Sicherheitsbeamten. Auf diese Weise konnte er wenigstens ruhig arbeiten, weil er wusste, dass niemand an seinen Wagen herankommen würde. Angekommen bei seinem Prachtstück ging er einmal herum, um es zu bewundern und sich zu versichern, dass keiner seinem Liebling beim Einparken eine Schramme zugefügt hatte. Langsam rauchte er seine Zigarette zu Ende, sein nobles Gefährt mit ungeheurer Pferdestärke sollte doch sauber bleiben. Auch seine Frau und Kinder machte er immer darauf aufmerksam, nicht mit schmutzigen Schuhen einzusteigen.

Der Schlüssel schlüpfte fast von selbst in die Mündung und mit einer kleinen Bewegung öffneten sich automatisch alle Türen. Das Radio drinnen war auf seinen Fußballsender eingestellt, „Immer am Ball“ hieß die Devise. Wenn er seinen Kindern einen normalen Computer gekauft hätte, könnte er jetzt die Spiele im Internet anschauen. Wozu hatte man denn einen Fernseher. Dabei musste er sich aber leider nach den Sendezeiten richten.

Sein Verein hatte wieder verloren, doch in dem neuen Auto hörte sich die Nachricht weniger erschütternd an, er pfiff sogar noch ein kleines Lied, das bei Spielen aus voller Kehle nicht gesungen, sondern gebrüllt wurde.

„Hei, du Idiot! Warum gehst du gerade jetzt über die Straße? Willst du vielleicht, dass ich meine Bremsen und Autogummis abnutze?“ Der Fußgänger sprang erschrocken auf den Gehsteig zurück. Wussten die denn nicht, dass er ein neues Auto hat? Er fühlte, die ganze Welt drehe sich nur um ihn. Die Nachrichten im Radio berichteten, dass die Regierung im Nachbarland, eine Grundgesetzänderung wegen der Terroristengefahr vornehmen wolle, aber dass dies eigentlich gegen die eigenen Bürger gerichtet ist, um Demonstrationen zu verhindern. „Das bräuchten wir hier auch!“ – dachte er bei sich. „Die haben doch bei den Demonstrationen auch noch Autos angezündet. Es ist ein Witz der Geschichte, dass genau die, die damals den Schaden verursacht hatten, jetzt an der Regierung so etwas mit Gesetzen verhindern wollten. Das Gesetz und die Polizei als Druckmittel.“

Schließlich kam er in der Wohnsiedlung an. Zehnstöckige Betonhäuser soweit das Auge reichte. Stolz fuhr er durch den Dschungel. Alle mussten einen neidischen Blick auf seine Errungenschaft werfen. Das entschädigte ihn für die täglichen Erniedrigungen in der Fabrik. Sein Abteilungsleiter musste sich um seine alte, kranke Mutter kümmern und hatte sich deshalb nur einen Gebrauchtwagen leisten können. Nun, dieser Vorgesetzte sah es nicht gern, wenn einer seiner in der Rangordnung unter ihm stehenden Mitarbeiter ein besseres Auto fuhr. Bei jeder Begegnung ließ ihn dieser Chef fühlen, dass er genau wegen des neuen Wagens in der Hand des Vorgesetzten ist. Feuerte man ihn, würde er seinen Liebling verkaufen müssen.

Wieder kein Parkplatz! Eigentlich gab es für zweihundert Wohnungen zwanzig Autoabstellmöglichkeiten. Er musste sein sauber poliertes Gefährt in den Dreck stellen. Und eine Garage konnte er sich nicht leisten. Er stieg aus und ging auf das Hochhaus zu, in dem er wohnte. Er hatte schon die Tür geöffnet, als es ihm durch den Kopf schoss, dass er vergessen hatte, die Scheinwerfer auszuschalten. Er ging zurück, die Batterie würde bis morgen leer sein. Aber alles war ausgemacht. Beruhigt bewegte er sich wieder in Richtung Haustür. Der Lift funktionierte nicht, aber warum sollte er sich wundern, auch er bezahlte die Nebenkosten für die Wartung des Hauses nicht. Er wohnte im zehnten Stock. Er musste die Treppe benutzen. Im zweiten Stock angekommen fiel ihm ein, dass er vielleicht die Türen nicht verriegelt hatte. Schnell trugen ihn seine Füße nach unten. Fahrertür, Beifahrertür, hintere Mitfahrertüren, alles in Ordnung! Beim dritten Versuch auf dem Weg in seine Wohnung erreichte er den fünften Stock, er kehrte um, weil das Radio, die Motorhaube und die Kofferraumtür kontrolliert werden musste. Als er endlich oben ankam, das machte er jeden Tag mehrmals, vielleicht war er sogar fitter, als die Spieler, für die er schwärmte, hatte die Übertragung des Fußballspiels schon begonnen. Rasch schaltete er den Fernseher ein, holte eine Flasche Bier aus dem Kühlschrank und ließ sich auf dem Sofa nieder, um das Geschehen auf dem grünen Rasen zu genießen.

Ein Quietschen von Bremsen erweckte ihn aus seiner Sorgenlosigkeit. Hatte jemand seinen Liebling angefahren, oder wurde dieser gar gerade gestohlen? Er sprang auf, war mit einem Satz am Fenster und suchte die Gegend nach Verdächtigen ab. Nicht einmal das Schreien des Fußballreporters wegen eines Tores konnte ihn vom Fenster locken. Diese Nacht schlief er sehr schlecht, deshalb beschloss er, am nächsten Morgen sofort zur Polizei zu gehen, um eine Streife für diesen Teil der Wohnsiedlung zu fordern. Außerdem setzte er noch in der Nacht einen Brief an den Gesetzgeber auf, in dem er die Erhöhung der Strafe für Autodiebstahl verlangte.

 

 

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tale 98 security

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security

 

He had just come from the factory, eight hours of monotonous work next to the machine, three shifts, once from six a.m. to two p.m., then from two p.m. to ten at night, and another shift from ten to six in the morning.

However, it was worth it, the bank finally granted him the loan for his dream car. No Porsche, because of course his wife and children also had to have seats in it. Nevertheless, they were very sad when they learned that there would be no more summer vacation at the lake for the next six years because otherwise the payment instalments could not be paid.

His car stood in the fenced parking lot of the factory, even with security guards. At least that way he could work quietly, knowing that no one would get to his car. When he arrived at his gem, he went around to admire it and to make sure that no one had scratched his darling while parking. Slowly he finished his cigarette, his noble vehicle with enormous horsepower was supposed to stay clean. He also always reminded his wife and children not to get in with dirty shoes.

The key almost slipped into the keyhole by itself and all doors opened automatically with a small movement. The radio inside was tuned to his football station, "Always on the kick" was the motto. If he had bought his kids a normal computer, he could now watch the matches on the Internet. Why did one have a television? Unfortunately, he had to follow the broadcasting times.

His club had lost again, but in the new car, the news sounded less shocking, he even whistled a little song that was not sung at all during matches, but yelled.

“Hey, you idiot! Why are you walking across the street right now? Do you want me to wear down my brakes and car rubbers?” The terrified pedestrian jumped back onto the sidewalk. Didn't they know he had a new car? He felt that the whole world was looking at him in his new car. The news on the radio reported that the government in the neighbouring country wanted to change the constitution because of the terrorist threat, but that this was actually directed against its own citizens in order to prevent demonstrations. "We need that here too!" - he thought to himself. “They also set cars in fire during demonstrations. It's a joke of history that the very people, who caused the damage back then, were now forming the government."

Finally, he arrived at the block of houses. Ten-story concrete houses as far as the eye could see. He drove proudly through this city jungle. Everyone had to cast an envious look at his acquisition. That was the recompense for the daily humiliations in the factory. His head of department had to take care of his sick old mother and had therefore only been able to afford a used car. Well, that supervisor didn't like it when one of his subordinate employees drove a better car. At every encounter, this boss made him feel that it was precisely because of the new car that he was in the hands of his superior. If he was fired, he would have to sell his darling.

Again no parking space! There were actually twenty parking spaces for two hundred apartments. He had to park his cleanly polished vehicle in the mud. And he couldn't afford a garage. He got out and walked towards the ten-story house in which he lived. He had already opened the door when it occurred to him that he had forgotten to turn off the car lights. The battery would be dead by tomorrow, so he went back. But everything was switched. Reassured, he moved back towards the front door. The elevator didn't work, but why should he wonder? He, like many others, didn't pay the ancillary costs for the maintenance of the house either. He lived on the tenth floor. He had to use the stairs. When he got to the third floor, it occurred to him that maybe he hadn't locked the doors. His feet quickly carried him down. Driver's door, passenger door, rear passenger doors, everything was fine! On the third attempt on the way to his apartment, he reached the fifth floor, he turned back because the radio, the hood and the trunk door had to be checked. When he finally got to the top, he did that several times a day, maybe he was even fitter than the soccer players he supported, the broadcasting of the soccer match had already started. He quickly switched on the television, got a bottle of beer from the refrigerator and sat down on the sofa to enjoy the action on the green lawn.

A squeak of brakes awoke him. Had someone hit his darling or was it being stolen? He jumped up, got to the window, and searched the area for suspects. Not even the screaming of the soccer reporter about a goal could lure him away from the window. He slept very poorly that night, so he decided to go to the police immediately the next morning to request a patrol for this part of the block of houses. He also wrote a letter to the government that night demanding that the penalty for car theft be increased.

 

 

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Freitag, 1. Januar 2021

 

Märchen 97 der Jesus

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Der Jesus

 

Kurz nachdem er an Weihnachten geboren war, - dies erzählte ihm später seine Mutter – wurde er sofort in die Kirche gebracht und in die Krippe gelegt, wo er den neugeborenen Jesus verkörperte. Man hatte ein ruhiges Baby gesucht, das die Messe nicht durch Schreien stören würde und wunderte sich, mit welcher Geduld er alles über sich ergehen ließ. Fast himmlisch anmutig wirkte sein Blick, mit dem er auf die anderen Teilnehmer der Festspiele, die die Hirten und Könige darstellten, herabsah. Eine große Zukunft wurde ihm vorausgesagt. Woraus diese eines einfachen Bauernsohns bestehen sollte, wusste keiner genauer zu bestimmen.

Als er dann heranwuchs, meldete er sich immer, wenn man in der Kirche oder auf dem Marktplatz eine Szene aus dem Neuen Testament aufführen ließ. Jesus und die Gelehrten, später in der Synagoge, als er die Händler von dort vertrieben haben soll. Er gefiel sich in dieser Rolle und hörte gern, wenn Leute, die ihn nicht bei seinem richtigen Namen kannten, ihn den Jesus nannten. Er versuchte, sogar ein ähnliches Leben zu führen. Nur mit den Jüngern und den Wundern wollte es nicht so recht klappen.

Jeden Tag traf er beim Pfarrer ein und ließ sich ein paar neue Einzelheiten aus dem Leben des Messias erzählen. Der Geistliche war höchst erfreut, endlich einen Gläubigen zu haben, der nicht nur Angst vor Gott hatte, sondern wirklich gottesfürchtig war.

„Jesus führte die Leute in die Wüste und hieß sie auf dem Gras niedersitzen.“ Er wusste nicht genau, wie eine Wüste tatsächlich aussah, aber wenn es dort Gras gab, musste es eigentlich so etwas wie eine Wiese gewesen sein. Eine größere Menge Sand hatte er nur beim Kapellenbau gesehen und mehr konnte er sich nicht vorstellen. Aber niemand wollte ihm auf die Wiese folgen.

„Jesus lief auf dem Wasser.“ Das musste er erlernen, dachte er bei sich. Damit würde er alle überzeugen. Er ging an den Fluss, um es auszuprobieren. Wenn man wirklich glaubt, kann man Berge versetzen. Aber so sehr er es auch versuchte, sich wie Jesus zu geben, zu handeln und zu leben, immer wieder versank er in dem Nass.

Und dann kamen die jährlichen Passionsspiele. Jemand wurde gesucht, der die Rolle des Jesus übernehmen würde. Er meldete sich sofort und wurde sogleich angenommen. Vor allem, weil es keine Mitbewerber gab. Man musste mit ihm auch nicht sehr lange proben, weil er das Leben von Jesus ziemlich gut kannte.

Als er auf der Bühne stand, breitete er seine Hände aus, richtete seinen Blick nach oben und sah aus, wie einer der Heiligen auf den Bildern in der Kirche. Jede Szene wurde gespielt, aber die Wunder mit dem Fische- und Brote-Teilen funktionierten auch jetzt nicht. Zum Glück gab es kein wirkliches Wasser, auf dem er hätte laufen müssen, dies war nur ein blauer Streifen unten auf der Leinwand. Aber er genoss alle Momente, man folgte seinen Worten und Bewegungen, er hatte endlich Jünger, denen er das letzte Abendmahl darbieten konnte.

Doch wunderte es ihn, dass der Schauspieler, der einen römischen Soldaten darstellte, sich das Ohr nicht wollte abhauen lassen. Als er gebunden wurde, um vor Pontius Pilatus geführt zu werden, flüsterte er dem jüdischen Rabi ins Ohr, die Fesseln fester zu ziehen, weil er wirklich Jesus sei. Die Peitschenriemen schnitten tief in seine Haut, Blut floss, aber er wusste, dass er die Bewunderung der ganzen Stadtgemeinschaft hinter sich hatte. (Für diese Darstellung hätte er siebenhundert Jahre später sicher einen Oscar bekommen.)

Der Stiel des Kreuzes war ein bisschen kürzer, weil die Bühne höher stand und er dann sowieso fast über den Köpfen der Zuschauer hing. Er musste es auch nicht so weit tragen, nur ein paar Mal die wenigen Meter über die Bühne. Als man ihm nach eigenem Wunsch die Nägel durch die Hände und Füße schlug, pisste und schiss er sich vor Schmerz in seinen Lendenschurz, bevor er in Ohnmacht fiel. Als er wieder zu sich kam, ließ sich aus der Menge ein leises Raunen hören. Das passierte eigentlich jedes Jahr und jeder dort unten beneidete ihn an diesem Tag.

Drei Tage lang hing er nun auf dem Marktplatz, die meisten Leute waren nach Hause gegangen, um zu essen, trinken und schlafen. Aber zum Gebet kamen sie alle über den Tag verteilt. Seine Mutter saß die ganze Zeit unten am Kreuz. Sie wusste nicht, ob sie weinen oder sich freuen sollte: Dort oben hing ihr Sohn. Aber er spielte nicht so gut wie Jesus, er starb ein bisschen früher. Als man eine Lanze in seine Seite stieß, merkte er schon lange nichts mehr.

Dann wurde er herabgenommen und in eine Höhle in der Nähe der Stadt gelegt. Man wartete auf seine Auferstehung, doch die wollte nicht kommen. Seine Mutter musste höhnische Blicke und Bemerkungen ertragen. Ihr Sohn war vielleicht doch kein Jesus?

 

 

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tale 97 the Jesus

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The Jesus

 

Shortly after he was born on Christmas - his mother later told him about it - he was immediately taken to church and placed in the manger, where he embodied the new-born Jesus. They had been looking for a quiet baby who would not disturb church mass with screams and crying and were amazed at the patience with which he endured everything. His gaze as he looked down at the other participants of the festival, who represented the shepherds and kings, was almost heavenly graceful. A great future was predicted for him. No one knew exactly what this would consist of for a simple farmer’s son.

Then, as he grew up, he called in whenever a scene from the New Testament was performed in church or in the marketplace - Jesus and the scholars, later in the synagogue, when he is said to have driven the traders out of there. He liked this role and liked to hear people who didn't know his real name call him Jesus. He even tried to live a similar life. However, it just didn't work out well with the disciples and the miracles.

Every day he came to the priest's house and got a few new details about the life of the Messiah. The clergyman was delighted to finally have a believer who was not only afraid of God, but genuinely God-fearing.

“Jesus led people into the desert and made them sit down on the grass.” He wasn't sure what a desert actually looked like, but if there was grass, it must have been something like a meadow. He had only seen a large amount of sand when the chapel was being built and he couldn't imagine more. But nobody wanted to follow him into the meadow.

“Jesus walked on the water.” He had to learn that, he thought to himself. That would convince everyone. He went to the river to try it out. If you really believe, you can move mountains. But no matter how hard he tried to act like Jesus, to act and live, he kept sinking into the water.

And then, the annual Passion Play was going to be celebrated. Someone was wanted to take on the role of Jesus. He called in at once and was accepted immediately. Mainly because there were no competitors. They didn't have to rehearse with him for very long either because he knew the life of Jesus pretty well.

When he got on the stage, he spread his hands, looked up, and looked like one of the saints in the pictures in the church. Every act was played out, but the fish-and-bread-sharing miracles didn't work now either. Luckily, there wasn't any real water to walk on, it was just a blue stripe on the bottom of the canvas. However, he enjoyed every moment, everybody followed his words and movements, he finally had disciples to whom he could offer the last supper.

But he was surprised that the actor, who played a Roman soldier, did not want his ear cut off. When he was tied to be brought before Pontius Pilate, he whispered in the ear of the Jewish Rabi to tighten the chains because he really was Jesus. The lash straps cut deep into his skin, blood flowed, but he knew he had the admiration of the entire city community behind him. (He would certainly have received an Oscar for this portrayal seven hundred years later.)

The stem of the cross was a bit shorter because the stage was higher and he was hanging almost over the heads of the audience anyway. He didn't have to carry cross that far either, just a few meters across the stage. When the nails were stuck through his hands and feet at his own request, he pissed and shit in his loincloth in pain before he fainted. When he awoke again, there was a slight murmur from the crowd. It actually happened every year and everyone down there envied him that day.

For three days, he hung in the market square, most of the people had gone home to eat, drink and sleep. But they all came to prayer throughout the day. His mother sat at the foot of the cross the whole time. She didn't know whether to cry or be happy: her son was hanging up there. But he didn't play as well as Jesus, he died a little earlier. When they stuck a lance in his side, he hadn't noticed anything for a long time.

Then he was taken down and placed in a cave near the city. They waited for his resurrection, but it did not want to come. His mother had to endure scornful looks and remarks. Maybe her son wasn't Jesus after all?

 

 

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